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Österreichische Zeitschrift für Geschichtswissenschaften
24. Jg., Heft 1, 2013

Die Erzeugung des Berufs - Production of "Beruf"

Herausgegeben von Alexander Mejstrik, Sigrid Wadauer und Thomas Buchner

Editoral

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts begann in verschiedenen Ländern Europas die Entwicklung von Sozialstaaten. Als wesentliche Institution sollte sich dabei Arbeit erweisen: eine neue Arbeit, die sich mehr über ihre Geldvermitteltheit und amtliche Verwaltbarkeit (Arbeitsrecht, Sozialversicherungen) denn über konkrete Techniken und Handhabungen (wie Nähen, Schweißen, Verkaufen u.ä.) charakterisierte sowie die Erzeugung territorialstaatlicher (statt regionaler und/oder tätigkeitsspezifischer) Arbeitsmärkte erforderte und beförderte.(1) Die neue Arbeit sollte betriebliche Erwerbsarbeit sein, wie auch immer diese konkret aussehen mochte. Dass es allerdings unterschiedliche Worte für Erwerbstätigkeiten gab und gibt, zeugt von Unterscheidungen und Hierarchisierungen dieser Erwerbsarbeit: etwa job, employment, occupation, gainful work im Englischen; emploi, activité lucrative, état, profession, métier im Französischen usw. Im Deutschen funktioniert/e die Hierarchisierung vor allem durch den Bezug auf Beruf im Gegensatz zu Brot, Erwerb, Nahrungszweig u.ä.

Berufe – im Sinn von Techniken und Gewerben unterschiedlicher Berufsgruppen – hatte es im deutschsprachigen Raum schon lange vor dem zwanzigsten Jahrhundert gegeben. Doch erst ab ungefähr 1900 wurde nach und nach die Institution des Berufs durchgesetzt. Der Beruf wurde in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts im deutschsprachigen Raum zum überaus prominenten Thema. So schrieb Fritz Karl Mann 1933:

„Es dürfte kein Zeitalter geben, in dem mehr von Beruf gesprochen worden ist als in der Gegenwart. Die Presse schildert die Sorgen der Berufswahl – die Behörden errichten Berufsberatungsstellen – eine umfassende Berufsstatistik sucht jeden zu erfassen, der das Kindesalter überschreitet – die Gesellschaft ist in zahlreiche Berufsgruppen und Berufsverbände ausgegliedert, die sich lebhaft befehden – die Psychologen untersuchen die ‚Berufseignung‘ – die Philosophen, Theologen und Soziologen wetteifern darin, uns den Verfall des Berufsethos oder die Möglichkeiten seiner Wiedererweckung vor Augen zu führen.“(2)

Allerdings: Was der Beruf war (ist), war (ist) keineswegs klar. Das Wort ‚Beruf‘ etwa wurde auf unterschiedlichste Weisen gebraucht: als Bezeichnung im Alltag, als Wort in den massenmedialen Öffentlichkeiten, als Konzept in Wissenschaften und Technik, als Verwaltungskategorie, als Begriff von Sozialpolitiken usw. Dementsprechend finden sich in den unterschiedlichsten Quellen verschiedene und oft auch widersprüchliche Verwendungen – zur Bezeichnung etwa
•    einer besonderen, spezialisierten Erwerbstätigkeit, die eigene Ausbildung, Fähigkeiten und Ausdauer erfordert,
•    einer konkreten Erwerbsarbeit(sstelle), unabhängig von irgendwelchen spezifischen Anforderungen (das heißt, in Entsprechung,
      Ergänzung und/oder Kontrast zu Bezeichnungen wie „Arbeit“, „Hilfe“, „Mithilfe“, „Dienst“, „Verdienst“ u.ä.),
•    einer wesentlichen Variable amtlicher Großzählungen (Berufszählungen, Volkszählungen usw.), die im Übrigen kaum je kohärent
      in abstrakt-klassifikatorischer Hinsicht verwendet wurde,
•    eines wichtigen Merkmals einer Person in der amtlichen Nationale,
•    eines ausschlaggebenden Kriteriums für amtlich gültige Arbeitslosigkeit,
•    eines Kriteriums zur Formung und Organisation von wirtschafts- und sozialpolitischen Interessengruppen (Berufsvertretungen,
      Berufsstände u.ä.),
•    eines Bezugspunkts diverser Sozialpolitiken, nämlich einer Erwerbschance Einzelner, die übers einfache Durchkommen weit
      hinausgehe und dem/der Einzelnen nicht nur ein Auskommen durch regelmäßiges Einkommen, sondern auch ein 
      gesellschaftliches Fortkommen (Status) und individuelle Selbstverwirklichung bieten solle,
•    eines anderen Bezugspunkts diverser Sozialpolitiken, nämlich einer Wohlfahrtsgarantie für alle (das heißt: alle Bürgerinnen und
      Bürger eines Staates), weil eine Volkswirtschaft davon nur profitieren könne, wenn jede/r genau das leiste, wozu er/sie am
      besten geeignet sei,
•    eines stark abstrahierten Elements sozialphilosophischer, sozialwissenschaftlicher Theorien etwa bei Max Weber oder Werner
      Sombart (heute würde man wohl von „analytischem Konzept“ sprechen) usw.

Die Suche nach einem gemeinsamen Inhalt all dieser und anderer Verwendungen des Worts ‚Beruf‘, also die Suche nach dem eigentlichen Inhalt des Worts, der dem eigentlichen Wesen der Sache entspräche, ist vergeblich. Dabei gibt es durchaus Charakteristika, Bedingungen und Bestimmungen, die in unterschiedlichen Vorstellungen von dem Beruf immer wieder aufscheinen, etwa:
•    die Neigung, die vom kaum selbst bemerkten Hang zu bestimmten Tätigkeiten bis hin zum deklarierten Berufswunsch und zur
      Berufung variieren kann,
•    die Eignung, die alles von der simplen Begabung bis zu ausgeformten Fähig- und Fertigkeiten miteinschließt,
•    die Ausbildung, die als Phase der Berufsinitiation und als Grundlage späterer Berufsausübung funktioniert,
•    die Laufbahn, die ein – im besten Fall ununterbrochenes – lebenslanges Verbleiben im einmal gelernten Beruf voraussetzt und als
      Fortkommen beschrieben werden kann,
•    die Absicherung, die mit einer staatlichen und/oder verbandlichen Berufspolitik gewährleistet wird,
•    den Status, den die erfolgreiche Berufsausübung im Rahmen einer ganzen Gesellschaft verbürgt, usf.

Allerdings beziehen sich die konkreten Gebrauchsweisen des Begriffs „Beruf“ variabel auf diese und/oder jene Bestimmungen, teils in deutlicher Widersprüchlichkeit. Es findet sich keine explizite, logische Systematik all dessen, was den Beruf ausmacht. Die Liste der ihn bezeichnenden Charakteristika ist offen (also: nicht abschließbar), weshalb jeder Versuch einer Identifizierung jener Gebrauchsweisen, die alle Bestimmungen erfüllen, per se sinnlos ist. Die Vorstellungen von Beruf waren praktische Vorstellungen, aber keine logisch-kohärenten: Sie waren erstens nur so lange logisch, als dies praktisch war,(3) und sie wurden zweitens getan (was auch gedacht, gesprochen, geschrieben heißen konnte, aber beileibe nicht heißen musste, schon gar nicht in Ausschließlichkeit).

Dass es keinen gemeinsamen inhaltlichen Nenner all der erhebbaren Gebrauchsweisen (oder eben praktischen Vorstellungen) von Beruf gibt, heißt jedoch nicht, dass es gar keinen gemeinsamen Nenner gibt. Die Gebrauchsweisen trugen doch allesamt zur historischen Erzeugung des Berufs bei – und zwar auf vielfältige (teils widersprüchliche) sowie hierarchisierte Weise: Was der Beruf war (ist), war (ist) umstritten, das heißt Sache von praktischen Auseinandersetzungen darüber, was der Beruf sein sollte (soll), und die Chancen zur Durchsetzung in diesen Auseinandersetzungen waren (sind) ungleich verteilt.
Die historische Erzeugung des Berufs ist daher die Geschichte der Auseinandersetzungen um Beruf, Arbeit und Lebensunterhalt, die zu einer immer deutlicheren Normalisierung von Beruf, Arbeit und Lebensunterhalt führte. In all den Veränderungen von Arbeit seit etwa 1900 erscheint Beruf in den deutschsprachigen Ländern als zentrales Moment dessen, was als Arbeit (und damit als Lebensunterhalt) durchgesetzt wird. Wurde Arbeit im Sinn der neuen Erwerbsarbeit immer mehr zum Sy­nonym für Lebensunterhalt, so Beruf immer mehr zum Synonym für Arbeit. Oder kurz und griffig: Wurde Erwerbsarbeit immer mehr zum legitimen, offiziell richtigen Lebensunterhalt, so Beruf immer mehr zur legitimen Arbeit.

Die historische Erzeugung des Berufs verlief allerdings nicht automatisch, nicht mechanisch, nicht intentional, nicht zielgerichtet und nicht als Einbahnstraße, sondern in (im doppelten Wortsinn) alltäglicher Improvisation, die vom jeweiligen momentanen Resultat der Auseinandersetzungen ausging und es verstärkte, verwarf, veränderte. Nicht alle Arten, seinen Lebensunterhalt zu organisieren, konnten ja gleich leicht/schwer als solch ein Beruf umorganisiert werden. Für viele Tätigkeiten blieb es lange Zeit unklar, ob sie offiziell im positiven Sinn als Beruf gelten sollten und/oder konnten. Die häuslichen Dienste etwa bereiteten ihrer Verberuflichung viel mehr Probleme als Tätigkeiten in der industriellen Fertigung. In den Fällen von Hilfsarbeit, der Tätigkeit von Hausfrauen oder von kriminalisierten Praktiken war es nicht klar, ob sie als Beruf gelten sollten, auch wenn sie bei manchen Verwaltungsmaßnahmen oder von irgendwelchen Gelehrten als Beruf behandelt und verhandelt wurden. Allerdings wurden auch solche offensichtlich umstrittenen Fälle immer mehr mit Referenz auf den Beruf bestimmt: bloß eben negativ, als schlechte, falsche Berufe oder sogar als „Gerade-nicht Berufe“. Die Durchsetzung dieser dominanten Vorstellung von Arbeit veränderte darüber hinaus somit auch all jene Tätigkeiten, die – wie u. a. die ebenfalls neu erzeugten Familienleben und Freizeiten – nicht Beruf werden sollten und/oder konnten, immer mehr zum Nicht-Beruf. Kurz: Die historische Erzeugung des Berufs bedeutete, dass, sobald es um Lebensunterhalte ging, der Beruf nach und nach zur gemeinsamen Referenz für alle wurde – ob positiv oder negativ, ob gesucht oder verweigert. Deshalb konnte das Fehlen des Berufs bald selbstverständlich als Ursache von Delinquenz, Kriminalität, später während des Nationalsozialismus und danach auch von Asozialität gelten. Deshalb schien es immer einleuchtender, dass der Beruf die Lösung von mannigfachen gesellschaftlichen Problemen darstellen würde, etwa in der Jugend-Politik oder für die Emanzipation der Frauen.


Der vorliegende Band der ÖZG ist Ergebnis einer ersten Bestandsaufnahme zu dem Zweck, eine Geschichte der Erzeugung des Berufs im eben skizzierten Sinn zu konstruieren. Er versammelt Beiträge von Autorinnen und Autoren, deren Forschungen – sowohl in Zustimmung als auch in kritischer Distanznahme – wichtige Diskussionsperspektiven für dieses Programm eröffnen.

Die Artikel gehen (bis auf einen) auf Beiträge für einen Workshop zurück, der im Februar 2012 an der Universität Wien abgehalten wurde(4) und den Austausch über Forschungsarbeiten begründen sollte, die sich in der (weit gefassten) Problemstellung einer Differenzierung und Hierarchisierung von Lebensunterhalten im 19. und 20. Jahrhundert wiederfinden konnten. Der Beruf wurde dabei als möglicher, jedoch besonders aufschlussreicher Fall gefasst und hatte den Anstoß für die Konzeption geliefert. Das Programm, die historische Erzeugung des Berufs zu untersuchen, war im veranstaltenden Team, das mit Materialien aus Deutschland und vor allem aus Österreich arbeitet, entwickelt worden. Eine möglichst internationale Diskussion erschien daher von großem Interesse.

Die Herausforderung bestand darin, dass die üblichen Behandlungen von Beruf/en in den Geschichtswissenschaften von der oben skizzierten Perspektive einer Erzeugung des Berufs kaum weiter entfernt sein könnten. Der Königsweg der Begriffsgeschichte(5) reduziert die Untersuchung auf reine Textexegese von, wie oft angemerkt wurde, „Höhenkammliteratur“(6) und setzt zumeist das historische Phänomen Beruf – wenn nicht in seinen Formen, so doch in seinem Wesen – per se schon voraus. Das tun, bei allen anderen Unterschieden, auch die vielen Geschichten einzelner Berufe (der Fleischhauer, der Bäcker u.ä.). Geht es im Gegensatz dazu bei Untersuchungen von Verberuflichungen bestimmter Tätigkeiten (zum Beispiel der Sozialarbeit, der Fürsorgerin u.ä.) um deren Genese als oder zum Beruf, so zumeist im Sinn einer Professionalisierung, für welche die sociology of professions trotz aller Kritik noch immer die (ideologische) Norm liefert.(7) So geht es in all diesen Fällen darum, historische Phänomene nach ihren Abweichungen von einer ‚Beruflichkeit‘ zu beurteilen, die unabhängig von ihnen schon klar ist – sei es auf evidente Weise klar oder klar definiert. Für solches stehen vor allem die meist als theoretische verstandenen Zugänge (von Marx über Weber und Durkheim bis zur Ungleichheitsforschung und systemtheoretischen Ansätzen), auf die sich wiederum besonders sozialgeschichtliche Arbeiten zu beziehen versuchen. Allerdings: Jede ex post „Vereindeutigung“, etwa mit einem „analytischen Konzept“ Beruf samt dessen „Operationalisierung“,(8) würde die praktische Logik der Gebrauchsweisen von Beruf und damit die Geschichtlichkeit des Phänomens selbst zum Verschwinden bringen. Deshalb kann dessen wissenschaftliche Untersuchung nicht auf eine wie auch immer geartete Definition hinauslaufen, geschweige denn mit einer solchen beginnen.

Die Beiträge dieses Bandes der ÖZG sind für die Fragestellung der Erzeugung des Berufs interessant, denn sie versuchen auf unterschiedliche Arten, Beruf/e nicht als gegeben anzunehmen (weder selbstverständlich noch in „analytischer“ Definition), sondern zu historisieren: Sie versuchen, Beruf/e als (vorübergehendes) Ergebnis praktischer Auseinandersetzungen um die historische Existenz des Phänomens selbst zu konstruieren, und zwar anhand konkreter Fälle des deutschsprachigen Raums sowie im internationalen Vergleich.

David Meskill zeigt, dass die Herausbildung des deutschen Berufsausbildungssystems von 1897 bis 1937 nicht gleichmäßig, sondern in drei Aktivitätsschüben vonstatten ging – jeder unter einem anderen politischen Regime und jeder von intensiven Auseinandersetzungen darüber geprägt, was Beruf und Berufsausbildung sein sollten. IrinaVana untersucht, was und wie die öffentlichen Arbeitsämter in der österreichischen Ersten Republik zur Normalisierung von Beruf beigetragen haben. Dabei stützt sie sich auf unterschiedliche Auswertungen von amtlichen Publikationen und Dokumenten sowie von Autobiographien, in denen Arbeitssuche thematisiert wird. Mareike Witkowski geht der Frage nach, wie sich die Arbeit im Haushalt von 1918 bis in die 1960er Jahre in Deutschland verändert hat. Sie untersucht diesen Übergang von den – weiblichen – häuslichen Dienstboten zu den Putzfrauen sowohl aus den Perspektiven von Interessengruppen, politischen Organisationen als auch und von den arbeitenden Frauen selbst. Sarah Speck beschäftigt sich mit den (Un-)Möglichkeiten und Implikationen einer Verberuflichung mütterlicher Tätigkeiten anhand des Beispiels der SOS Kinderdorf-Mütter. Sie stützt sich dabei unter anderem auf Materialien und Interviews, die sie im Zuge wiederholter Feldforschungen in Bolivien und Österreich produziert hat. Wiebke Wiede beschäftigt sich mit einem Vergleich der Lehr- und Berufsausbildungssysteme sowie der öffentlichen Arbeitsämter in Großbritannien und Deutschland von 1964 bis 1990: Hier war seit dem 19. Jahrhundert Beruf das organisierende Prinzip der Berufsausbildungen, wohingegen in Großbritannien ein ähnlich standardisiertes System nicht existierte.

Anna G. Piotrowska untersucht Strategien von europäischen und nordamerikanischen Komponisten während des frühen zwanzigsten Jahrhunderts, ihren Lebensunterhalt zu sichern – also zu einer Zeit, in der das romantische (Selbst-)Bild des Musikers als schöpferischer Künstler mit neuen gesellschaftlichen Erwartungen und Möglichkeiten konfrontiert wurde. Georg Schinko geht am Beispiel der Tätigkeit des Musizierens in den ersten Jahrzehnten des zwanzigsten Jahrhunderts in Österreich der Frage nach, welch unterschiedlichen Gebrauch Interessengruppen von der Vorstellung ‚Beruf‘ machten. Tuhina Ganguly untersucht chakri, eine spezifische Kategorie von Arbeit im kolonialen Bengalen. Chakri entstand während und durch die Kolonialisierung, was seine spätere inhaltliche Nähe zu „englischer Bildung“ und den bhadralok (wortwörtlich: den „respektablen Leuten“) zeigen kann. Thomas Sokoll unternimmt eine kritische Würdigung von Max Webers Rekonstruktion der Geschichte des modernen Berufsbegriffs im Lichte der neueren Forschung. Er argumentiert, dass die in der Protestantischen Ethik aufgeworfene Frage, wie sich eine Theorie des modernen Kapitalismus historisch-systematisch begründen lässt, noch immer von höchster Aktualität, jedoch nach wie vor unbeantwortet ist.

In ihrer Zusammenschau ergeben die Beiträge einen ersten Überblick über den derzeitigen Stand der Möglichkeiten, die Erzeugung des Berufs zu erforschen. Als neue Konstruktionsperspektive liefert dieses Forschungsprogramm noch weniger Ergebnisse als es Problemstellungen ermöglicht, die bislang nicht sichtbar, nicht denkbar waren.

Alexander Mejstrik
Sigrid Wadauer
Thomas Buchner
(alle Universität Wien)

Anmerkungen

(1)    Die Forschungen der Bandherausgeberin und der Bandherausgeber sind im Rahmen eines vom European Research Council im Siebenten Rahmenprogramm der Europäischen Union (FP7/2007–2013/ERC grant agreement no. 200918) und vom FWF (T242-G08 und Y367-G14) geförderten Forschungsprojekts entstanden.
(2)    Fritz Karl Mann, Zur Soziologie des Berufs, in: Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik 138 (1933), 481-500, hier 481.
(3)    Vgl. Pierre Bourdieu, Die Kodifizierung, in: ders., Rede und Antwort, Frankfurt am Main 1992, 99-110, hier: 103.
(4)    Vgl. „Work – Employment – Vocation. The Production of differences and hierarchies of livelihood in the 19th and 20th centuries“, Workshop, gehalten an der Universität Wien am 10. und 11. Februar 2012, veranstaltet vom ERC Projekt „The Production of Work“ (European Research Council, Starting Grant No. 200918; Projektleiterin: Sigrid Wadauer).
(5)    Vgl. Werner Conze, Beruf, in: Otto Brunner/Werner Conze/Reinhart Koselleck, Geschichtliche Grundbegriffe. Historisches Lexikon zur politisch-sozialen Sprache in Deutschland, Bd. 1, Stuttgart 1979, 490-507.
(6)    Rolf Reichardt, Zur Geschichte politisch-sozialer Begriffe in Frankreich zwischen Absolutismus und Restauration. Vorstellung eines Forschungsvorhabens, in: Brigitte Schieben-Lange/Joachim Gessinger, Hg., Sprachgeschichte und Sozialgeschichte. Zeitschrift für Literaturwissenschaft und Linguistik 12/47 (1982), 49-74; Rolf Reichhardt, Einleitung, in: ders./Eberhard Schmitt, Hg., Handbuch politisch-sozialer Grundbegriffe in Frankreich 1680–1820, München 1985, 39-148.
(7)    Vgl. Talcott Parsons, The Professions and Social Structure, in: Social Forces 17 (1939) 457-467; ders., Professions, in: International Encyclopedia of Social Sciences Vol. 12 (1968) 536-547; als Beispiele Robert Dingwall/Philip Simon Coleman Lewis, Hg., The Sociology of the Professions. Lawyers, Doctors and Others, London 1983; Geoffrey Cocks/Konrad H. Jarausch, Hg., German Professions 1800–1950, New York/Oxford 1988; eine kritische Diskussion bietet Christophe Charle, Intellectuels, Bildungsbürgertum et professions au XIXe siècle. Essai de bilan historiographique comparé (France, Allemagne), in: Actes de la recherche en scienes sociales 106-107 (1995) 85-95.
(8)    Vgl. Sigrid Wadauer/Thomas Buchner/Alexander Mejstrik, The Making of Public Labour Intermediation. Job Search, Job Placement, and the State in Europe, 1880–1940, in: International Review of Social History 57 (2012), 161-189.
 

Abstracts

  • David Meskill
    Punctuated Equilibria: Three ‘Leaps' in the Evolution of the German Vocational Training System

    Germany’s vocational training system evolved into its modern form in the four decades between 1897 and 1937. This evolution did not occur smoothly, but in three bursts of activity, each under a different political regime. After the 1897 Handwerk Law established a partial model for overcoming incentives problems associated with training skilled workers, between 1907 and 1912 the German state organized a ‘coalition of the willing’ among German engineering and machine-tool firms in order to extend the same model to parts of industry. In the mid-1920s, the major German industrial groups took the initiative to standardize vocational profiles and training schemes. Finally, in the mid-1930s German industry and key national ministries cooperated to give standardized certifications for industrial vocations legal standing on par with those in handicrafts. As a result, hundreds of thousands of young Germans began entering apprenticeships for skilled work.

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  • Irina Vana
    Zur Durchsetzung von Berufskonzepten durch die öffentliche Arbeitsmarktverwaltung (Österreich 1918-1938)

    This article examines how public labour offices in Austria contributed to the normalisation and/or formalising of vocations. It asks how meanings and functions of vocation varied within the area of public labour administration. In examining how both the unemployed and job seekers found work, the author aims to reconstruct the hierarchical relations between vocation and other ways of making a living as these were established by public labour offices. It is argued that such labour offices helped to develop vocational long-term employment while at the same time stimulating new practices of casual labour.

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  • Mareike Witkowski
    Arbeit ohne Ansehen oder idealer Frauenberuf?Hausgehilfinnen in Deutschland 1918-1960er Jahre

    The paper addresses how work in private households changed between 1918 and the 1960s. Until well into the twentieth century, female domestic workers constituted the largest group of employees in Germany. The majority of them resided in the households of their employers, thus making highly dependent labourers. Among domestic workers, interest groups and political organizations, two competing perspectives predominated. On the one hand, such jobs were undervalued, considered “dirty”. On the other hand, they were seen as an ideal preparation for those planning to become housewives or mothers. This view was shared both by representatives of the employers and domestic workers themselves. Yet amid changing social, political and economic conditions, the employment relationship was transformed as well. A strong external determination became progressively outmoded. As a result, the femal domestic worker was gradually replaced by the cleaning woman, who only worked for a few hours outside of her own home.

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  • Sarah Speck
    "Der anstrengendste Job der Welt". Sorge- und Liebesarbeit im SOS-Kinderdorf

    This paper addresses the (im)possibilities and implications of the professionalization of mothering. In more than five hundred “Children’s Villages”, the international aid organization SOS Kinderdorf employs single, widowed or divorced women as “mothers” to take care of orphans and neglected children. An analysis of the requirements and demands of these positions shows that the professionalization of mothering results in numerous contradictions. In addition, the utter blurring of boundaries makes it impossible to separate one’s work from one’s life. Based on my field research in SOS Children’s Villages located in Bolivia and Austria, the self-conceptions of women in these jobs are analyzed, revealing ambivalences and limitations involved in converting the gendered cultural model of motherhood into a classical profession.

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  • Wiebke Wiede
    Prekäre Beruflichkeiten. Die Subjektivierung von Arbeitslosen in Berufsbildung und -beratung in Deutschland und Großbritannien (1964-1990)

    Customarily speaking, concepts of vocational and career training have been organised differently in Great Britain and the Federal Republic of Germany. Since the nineteenth century, vocation has been the “organising principle” of apprenticeship and vocational training in Germany, alongside of social security and other social forms. In Britain, however, a standardised system of vocational education and training does not exist. This paper seeks to shed light on a variety of systems for apprenticeship, vocational training, and career services in British and West German employment offices, as well as their effects on unemployment after the late 1960s.

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  • Anna G. Piotrowska
    New and Old Tendencies in Labour Mediation among Early Twentieth-Century U.S. and European Composers: An Outline of Applied Attitudes

    This paper presents strategies used by early twentieth-century composers in order to secure an income. In the wake of new economic realities, the Romantic legacy of the musician as creator was confronted by new expectations of his position within society. An analysis of written accounts by composers of various origins (British, German, French, Russian or American), including their artistic preferences and family backgrounds, reveals how they often resorted to jobs associated with musicianship such as conducting or teaching. In other cases, they willingly relied on patronage or actively sought new sources of employment offered by the nascent film industry and assorted foundations. Finally, composers also benefited from organized associations and leagues that campaigned for their professional recognition.

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  • Georg Schinko
    Annäherungen an den Musikerberuf in Österreich (ca. 1900-1938)

    In the first decades of the twentieth century, Beruf became an important schema for perceiving, judging and organizing different wage earning activities in Austria. In order to approach the multiple meanings of Beruf, the article explores its practical usages in regard to a specific activity: music-making. First, the author describes, how the musician’s Beruf was deemed a form of gainful occupation more legitimate than the music-making practiced by “amateurs”, “dilettantes” or unskilled musicians. Second, the community of those who made music, in accordance with order, discipline and the goal of material improvement, is considered. Third, the invention of the Volksmusiker (people’s musician) is described as a counter-model to the Berufsmusiker (professional musician) promoted by trade associations. The article concludes that Beruf was in fact deployed ambiguously with respect to music-making and that there were important differences between its general definitions and its diverse applications, especially when musicians’ joined associations.

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  • Tuhina Ganguly
    Conceptualizing Work/Employment in India: A Study of Chakri in Colonial Bengal (19th- 20th centuries)

    This paper examines chakri as a distinct category of work in colonial Bengal. It traces the emergence of chakri in Bengal’s encounters with colonialism, and the subsequent association of the category with ”English education” and the bhadralok (literally, ”respectable ones”). Chakri was and continues to be a referent of white-collar jobs in Bengal. In addition, it was crucial to consolidating respectability, as the bhadralok distinguished themselves from those who engaged in manual or menial labour (e.g., peasants, domestic workers etc.). However, a closer look at the terms chakure (employee) and chakor (servant) reveals differing connotations. Characteristics embedded in the notion of chakor – service, servitude and loyalty – noticeably blurred the lines that divided respectable work from manual-menial labour. Yet divisions between these two were maintained, even as the undertones of servant varied morally within the socioeconomic categories of chakure and chakor. At the same time, this study extends beyond immediate concerns of livelihood in order to encompass broader yet interrelated realms of citizenship and nation building. 

     

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  • Thomas Sokoll
    Vom äußeren Zwang zur inneren Verpflichtung. Überlegungen zur historischen Semantik von "Arbeit" und "Beruf " in Max Webers ‚Protestantischer Ethik‘

    This essay attempts to reconsider Weber’s The Protestant Ethic and the Spirit of Capitalism (= PE) in the light of recent historical research. First, it briefly reviews Weber’s concept of modern capitalism. Second, it reassesses Weber’s account in the emergence of PE of the modern notion of “calling” (Beruf) in Luther. Third, the paper provides a survey of modern research on long-term changes within the semantic field of work, labour, occupation and employment. It thus supports Weber’s key argument that Protestantism, with its positive work ethic, departed radically from the arrogant contempt of manual labour typical of the ruling classes in antiquity and the Middle Ages. Fourth, the author examines Weber’s claim that the rising middle classes were the social carrier of the Protestant ethic. This is read as a serious blind spot. Weber provides neither a proper definition of the ‘middle classes’ nor any historical evidence. Moreover, he does not even consider (let alone discuss) the possibility that the working classes themselves might have been a positive force in the emergence of the modern work ethic. Therefore, the PE needs to be extended along these lines if it is to remain valuable as an agenda for historical research.

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